Kinderarzt und Kinderspital in der Schweiz: Ihr Wegweiser für Eltern

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen – und ihre Medizin ist es auch nicht. Kinderärzte (Pädiater) sind auf die besonderen Bedürfnisse von Säuglingen, Kindern und Jugendlichen spezialisiert. In der Schweiz ist die pädiatrische Versorgung ausgezeichnet, aber den richtigen Kinderarzt zu finden, kann eine Herausforderung sein. Hier erfahren Sie, worauf es ankommt.

Kinderarzt finden: Möglichst vor der Geburt

Kinderarzt und Kinderspital in der Schweiz: Ihr Wegweiser für Eltern

Klingt übertrieben? Ist es nicht. In vielen Schweizer Städten – besonders in Zürich, Bern und Basel – sind Kinderärzte derart ausgebucht, dass Sie sich am besten schon während der Schwangerschaft auf die Suche machen. Die erste Vorsorgeuntersuchung des Neugeborenen findet in der Regel in der ersten Lebenswoche statt – da sollte der Kinderarzt bereits feststehen.

Tipps für die Suche:

  • Fragen Sie im Geburtsvorbereitungskurs nach Empfehlungen
  • Nutzen Sie unser Verzeichnis für Kinderärzte
  • Erkundigen Sie sich bei Nachbarn und Freunden – Mundpropaganda ist bei Kinderärzten Gold wert
  • Prüfen Sie, ob der Kinderarzt Gruppenpraxen angehört – dort sind die Chancen auf freie Plätze grösser

Vorsorgeuntersuchungen: Der Schweizer Vorsorgeplan

In der Schweiz empfiehlt die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) einen standardisierten Vorsorgeplan mit Vorsorgeuntersuchungen in folgenden Altern:

  • 1.–4. Lebenswoche: Neugeborenenscreening, Hüftultraschall, Hörtest
  • 1 Monat: Gewichtskontrolle, Reflexe, Ernährungsberatung
  • 2 Monate: Erste Impfungen (Sechsfachimpfung, Pneumokokken)
  • 4 Monate: Zweite Impfdosis, Entwicklungskontrolle
  • 6 Monate: Wachstum, Motorik, Beginn Beikost
  • 9 Monate: Entwicklungsscreening, Sehen und Hören
  • 12 Monate: MMR-Impfung (Masern, Mumps, Röteln), Motorikentwicklung
  • 18 Monate: Sprachentwicklung, Verhalten
  • 2 Jahre: Sprachentwicklung, soziale Kompetenz
  • 4 Jahre: Schuleingangsuntersuchung, Sehtest, Hörtest
  • 6, 10, 14–16 Jahre: Weitere Vorsorgen, Auffrischimpfungen

Alle Vorsorgeuntersuchungen werden von der Grundversicherung ohne Franchise und Selbstbehalt übernommen.

Impfplan Schweiz: Was wird wann geimpft?

Die Schweiz folgt dem Impfplan des BAG (Bundesamt für Gesundheit). Die wichtigsten Impfungen:

  • 2, 4 und 12 Monate: Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten), Polio, Haemophilus influenzae, Hepatitis B (Sechsfachimpfung)
  • 2, 4 und 12 Monate: Pneumokokken
  • 9 und 12 Monate: Masern, Mumps, Röteln (MMR)
  • 12 Monate: Meningokokken C
  • 4–7 Jahre: Auffrischung DTPa-IPV
  • 11–15 Jahre: HPV (für Mädchen und Jungen), Auffrischung dT

Alle vom BAG empfohlenen Impfungen werden von der Grundversicherung bezahlt. Die Entscheidung über Impfungen liegt bei den Eltern – in der Schweiz gibt es keine Impfpflicht.

Kinderspitäler in der Schweiz

Kinderarzt und Kinderspital in der Schweiz: Ihr Wegweiser für Eltern - illustration

Für schwere Erkrankungen, Unfälle und spezialisierte Behandlungen gibt es in der Schweiz mehrere Kinderspitäler:

Kinderspital Zürich (Kispi)

Das grösste Kinderspital der Schweiz, 2024 am neuen Standort Lengg eröffnet. Bietet das komplette Spektrum der Kindermedizin inklusive Kinderchirurgie, Kinderonkologie und Neonatologie. 24/7-Notfall.

Universitätskinderklinik am Inselspital Bern

Grosse Kinderklinik mit besonderer Stärke in der Kinderchirurgie und Neonatologie. Notfall rund um die Uhr.

UKBB – Universitäts-Kinderspital beider Basel

Modernes Kinderspital, 2011 in einem Neubau eröffnet. Versorgt Kinder und Jugendliche aus beiden Basel und darüber hinaus.

Ostschweizer Kinderspital St. Gallen

Pädiatrisches Kompetenzzentrum für die gesamte Ostschweiz, auf dem Areal des Kantonsspitals St. Gallen.

Kinderspital Luzern

Abteilung des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) mit eigener Kinder-Notfallstation.

Wann ins Kinderspital, wann zum Kinderarzt?

Nicht jedes Problem erfordert den Weg ins Kinderspital. Eine Orientierung:

  • Kinderarzt: Erkältungen, Fieber (ohne Warnsignale), Hautausschläge, Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen, Bauchschmerzen, Ohrenschmerzen
  • Kinderspital/Notfall: Hohes Fieber bei Säuglingen (unter 3 Monate), Atemnot, Krampfanfälle, starke allergische Reaktionen, Knochenbrüche, Vergiftungen, Bewusstlosigkeit, unstillbares Erbrechen/Durchfall bei Babys

Im Zweifelsfall: Rufen Sie die Kindernotfall-Hotline Ihres Kinderspitals an. Dort kann medizinisches Fachpersonal einschätzen, ob ein Besuch nötig ist.

Kinderarztmangel in der Schweiz

Auch die Pädiatrie ist vom Ärztemangel betroffen. Die Zahl der Kinderärzte in freier Praxis sinkt, während die Geburtenrate stabil bleibt. Besonders in ländlichen Gebieten und in der Westschweiz ist die Situation angespannt.

Was hilft:

  • Gruppenpraxen: Bieten oft mehr Kapazität als Einzelpraxen
  • Pädiatrische Ambulatorien an Kinderspitälern: Funktionieren als Backup für Kinder ohne Kinderarzt
  • Telemedizin: Anbieter wie Medgate bieten auch für Kinder telemedizinische Erstberatung
  • Hebammenberatung: Für Säuglinge bis 1 Jahr können Hebammen viele Fragen beantworten

Kosten: Was zahlt die Kasse bei Kindern?

Kinder profitieren in der Schweiz von besonders günstigen Bedingungen:

  • Tiefere Prämien: Kinder (0–18 Jahre) zahlen deutlich tiefere Krankenkassenprämien
  • Kein Spitalkostenbeitrag: Kinder zahlen keinen Beitrag von 15 CHF/Tag bei Spitalaufenthalten
  • Franchise 0 CHF möglich: Für Kinder können Sie eine Franchise von 0 CHF wählen
  • Vorsorge franchisebefreit: Alle empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sind ohne Franchise und Selbstbehalt gedeckt

Häufig gestellte Fragen

Bis zu welchem Alter geht man zum Kinderarzt?

In der Schweiz betreuen Kinderärzte Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr. Danach erfolgt der Wechsel zum Hausarzt oder direkt zum Facharzt. Manche Kinderärzte betreuen chronisch kranke Jugendliche auch darüber hinaus.

Brauche ich für den Kinderarzt eine Überweisung?

Nein. In der Schweiz können Sie direkt zum Kinderarzt gehen. Viele Familien wählen den Kinderarzt als Hausarzt für ihre Kinder – auch im Hausarztmodell.

Was tun, wenn kein Kinderarzt in der Nähe verfügbar ist?

Ein Hausarzt mit Erfahrung in der Grundversorgung von Kindern kann eine Alternative sein. Für Säuglinge und Kleinkinder ist ein Kinderarzt aber dringend empfohlen. Notfalls kann das pädiatrische Ambulatorium des nächsten Kinderspitals einspringen.

Sind alle Impfungen in der Schweiz Pflicht?

Nein, es gibt in der Schweiz keine Impfpflicht. Die Impfungen im nationalen Impfplan sind empfohlen, aber nicht obligatorisch. Die Entscheidung liegt bei den Eltern. Alle empfohlenen Impfungen werden von der Grundversicherung bezahlt.

Was kostet der Kinderarzt?

Eine reguläre Konsultation kostet 100–200 CHF. Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen sind von der Franchise befreit. Bei einer Kinderfranchise von 0 CHF zahlen Sie nur den Selbstbehalt von 10% (maximal 350 CHF/Jahr für Kinder).

Lesen Sie auch

← Zurück zum Ratgeber

Nützliche Online-Rechner