Wann zum Kardiologen in der Schweiz? Herz-Check, EKG und Kosten erklärt
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in der Schweiz – noch vor Krebs. Trotzdem gehen viele Menschen erst zum Kardiologen, wenn es fast zu spät ist. Dabei kann ein rechtzeitiger Herz-Check buchstäblich lebensrettend sein. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Was erwartet Sie bei der Untersuchung? Und was kostet das Ganze?
Was macht ein Kardiologe?
Kardiologinnen und Kardiologen sind auf das Herz und das Gefässsystem spezialisiert. Sie diagnostizieren und behandeln Erkrankungen wie koronare Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen, Herzinsuffizienz und Bluthochdruck. Manche Kardiologen sind zusätzlich auf interventionelle Kardiologie spezialisiert – das bedeutet, sie führen Herzkatheter-Eingriffe durch, zum Beispiel das Einsetzen von Stents.
In der Schweiz gibt es rund 800 praktizierende Kardiologinnen und Kardiologen. Die grössten Herzzentren befinden sich am Universitätsspital Zürich, am Inselspital Bern und am Universitätsspital Basel.
Wann sollten Sie zum Kardiologen?
Gehen Sie zeitnah zum Kardiologen, wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bemerken:
- Brustschmerzen oder Engegefühl: Besonders bei Belastung – das klassische Warnsignal für eine Durchblutungsstörung des Herzens
- Herzrasen oder Herzstolpern: Gelegentliche Extraschläge sind harmlos, aber anhaltendes Herzrasen oder regelmässiges Stolpern sollte abgeklärt werden
- Atemnot bei Anstrengung: Wenn Sie plötzlich beim Treppensteigen ausser Atem geraten, obwohl das früher kein Problem war
- Schwindel oder Ohnmacht: Besonders bei Belastung – kann auf eine Herzrhythmusstörung oder Herzklappenerkrankung hinweisen
- Geschwollene Beine: Können ein Zeichen für Herzinsuffizienz sein
- Bluthochdruck: Wenn Ihr Hausarzt wiederholt erhöhte Werte misst (über 140/90 mmHg)
Aber nicht nur bei Symptomen: Auch zur Vorsorge kann ein Besuch sinnvoll sein – dazu gleich mehr.
Herz-Check zur Vorsorge: Wann und für wen?
Es gibt keinen «offiziellen» Herz-Check-Termin wie beim Zahnarzt. Aber die Schweizerische Herzstiftung empfiehlt eine kardiovaskuläre Risikoabklärung ab 40 Jahren – oder früher, wenn Risikofaktoren vorliegen:
- Familiäre Vorbelastung (Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Eltern oder Geschwistern vor dem 60. Lebensjahr)
- Rauchen
- Diabetes
- Übergewicht (BMI über 30)
- Hoher Cholesterinspiegel
- Bewegungsmangel und chronischer Stress
In der Praxis läuft das meistens so: Der Hausarzt macht einen Basis-Check (Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Ruhe-EKG). Wenn dabei etwas auffällt, überweist er Sie zum Kardiologen für weiterführende Untersuchungen.
Welche Untersuchungen macht der Kardiologe?
Je nach Fragestellung kommen verschiedene Methoden zum Einsatz:
- Ruhe-EKG: Grunduntersuchung, zeigt den Herzrhythmus und mögliche Durchblutungsstörungen. Dauer: 5 Minuten
- Belastungs-EKG (Ergometrie): EKG auf dem Fahrrad oder Laufband. Zeigt, wie das Herz unter Belastung reagiert. Dauer: 15–20 Minuten
- Herzultraschall (Echokardiografie): Ultraschall des Herzens, zeigt Herzklappen, Herzmuskel und Pumpfunktion. Dauer: 20–30 Minuten
- Langzeit-EKG (Holter): Sie tragen 24–48 Stunden ein kleines EKG-Gerät. Ideal zum Aufspüren von Rhythmusstörungen, die nicht ständig auftreten
- Langzeit-Blutdruckmessung: Ähnliches Prinzip, 24 Stunden lang
- Herzkatheter: Invasive Untersuchung, bei der ein dünner Schlauch über die Leiste oder das Handgelenk ins Herz geführt wird. Zeigt Verengungen der Herzkranzgefässe
- Kardio-MRI oder Kardio-CT: Bildgebung für spezielle Fragestellungen
Was kostet der Kardiologe in der Schweiz?
Grobe Richtwerte für die häufigsten Leistungen:
- Erstkonsultation mit Ruhe-EKG: 200–400 CHF
- Belastungs-EKG: 300–500 CHF
- Herzultraschall: 400–700 CHF
- Langzeit-EKG (24h): 200–400 CHF
- Herzkatheter (diagnostisch): 3'000–6'000 CHF
- Herzkatheter mit Stent: 8'000–15'000 CHF
- Kardio-MRI: 1'000–2'000 CHF
Alle medizinisch indizierten Leistungen werden von der Grundversicherung übernommen. Sie zahlen Franchise und 10% Selbstbehalt (max. 700 CHF/Jahr).
Brauche ich eine Überweisung?
Wie bei allen Fachärzten in der Schweiz:
- Standard-Modell: Keine Überweisung nötig, Sie können direkt zum Kardiologen
- Hausarztmodell: Überweisung durch den Hausarzt erforderlich
- Telemedizin-Modell: Telefonische Triage entscheidet über Überweisung
In der Praxis gehen die meisten Patientinnen und Patienten über den Hausarzt – und das ist auch medizinisch sinnvoll. Der Hausarzt kann bereits Basis-Untersuchungen durchführen und die Fragestellung für den Kardiologen präzisieren.
Herzzentren in der Schweiz
Für komplexe Herzerkrankungen sind diese Zentren besonders renommiert:
- Universitätsspital Zürich (USZ): Eines der grössten Herzzentren Europas, Herzchirurgie und interventionelle Kardiologie
- Inselspital Bern: Führend in der Herzchirurgie, Pionier bei minimalinvasiven Herzklappenersatz-Verfahren (TAVI)
- Universitätsspital Basel: Stark in der elektrophysiologischen Diagnostik und Therapie
- LUKS Luzern: Eines der wenigen nicht-universitären Spitäler mit eigenem Herzchirurgie-Programm
- Kantonsspital St. Gallen: Herzkatheter und Elektrophysiologie
- HerzKlinik Hirslanden: Grösste private Herzchirurgie der Schweiz
Vorbeugung: Was Sie selbst tun können
Die beste Kardiologie ist die, die Sie nie brauchen. Diese Massnahmen senken Ihr Herzrisiko nachweislich:
- Bewegung: 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche (zügiges Gehen, Velofahren, Schwimmen)
- Ernährung: Mediterran orientiert, wenig verarbeitete Lebensmittel, wenig Salz
- Rauchstopp: Das Risiko sinkt bereits nach einem Jahr deutlich
- Stressmanagement: Chronischer Stress ist ein unterschätzter Risikofaktor
- Blutdruck und Cholesterin regelmässig kontrollieren lassen
Häufig gestellte Fragen
Ab welchem Alter sollte ich zum Herz-Check?
Die Schweizerische Herzstiftung empfiehlt eine kardiovaskuläre Risikoabklärung ab 40 Jahren. Bei familiärer Vorbelastung, Rauchen, Diabetes oder Übergewicht schon früher. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt – ein einfacher Check (Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker) ist schnell gemacht.
Ist ein EKG beim Hausarzt ausreichend?
Ein Ruhe-EKG beim Hausarzt ist ein guter erster Schritt. Es kann aber unauffällig sein, obwohl eine Herzerkrankung vorliegt. Belastungs-EKG und Herzultraschall beim Kardiologen sind aussagekräftiger – besonders bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen.
Was tun bei plötzlichen Brustschmerzen?
Rufen Sie sofort die 144 an. Plötzliche, starke Brustschmerzen – besonders mit Ausstrahlung in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken – können ein Herzinfarkt sein. Hier zählt jede Minute. Warten Sie nicht ab.
Zahlt die Grundversicherung einen Herz-Check zur Vorsorge?
Ein reiner Vorsorge-Herz-Check ohne Symptome wird von der Grundversicherung in der Regel nicht übernommen. Wenn aber Risikofaktoren vorliegen (Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin, Diabetes), sind die weiterführenden Untersuchungen medizinisch indiziert und werden bezahlt.
Wie lange muss ich auf einen Termin beim Kardiologen warten?
In der Schweiz beträgt die Wartezeit für eine Routine-Konsultation beim Kardiologen etwa 2–6 Wochen. Bei dringenden Symptomen (Brustschmerzen, Synkope) bekommen Sie in der Regel innerhalb weniger Tage einen Termin – oder gehen direkt in die Notaufnahme.