Wann zum Urologen in der Schweiz? Prostata-Vorsorge, Kosten und Behandlungen

Über den Urologen spricht man nicht gerne. Viele Männer schieben den Besuch jahrelang vor sich her – aus Scham, aus Angst oder einfach, weil «es ja noch geht». Dabei ist die Urologie weit mehr als Prostata-Vorsorge: Sie umfasst die gesamten Harnwege (also auch Nieren und Blase) und betrifft Männer wie Frauen. In der Schweiz erkranken jährlich über 7'200 Männer an Prostatakrebs – eine frühzeitige Vorsorge kann buchstäblich lebensrettend sein.

Was macht ein Urologe?

Wann zum Urologen in der Schweiz? Prostata-Vorsorge, Kosten und Behandlungen

Urologinnen und Urologen sind auf die Harnwege und die männlichen Geschlechtsorgane spezialisiert. Ihr Fachgebiet umfasst:

  • Prostata: Vorsorge, gutartige Vergrösserung (BPH), Prostatakrebs
  • Blase: Blasenentzündungen, Blasensteine, Blasenkrebs, überaktive Blase, Inkontinenz
  • Nieren: Nierensteine, Nierentumore, Nierenzysten
  • Harnleiter und Harnröhre: Verengungen, Infektionen
  • Männliche Sexualmedizin: Erektionsstörungen, Testosteronmangel
  • Fertilität: Spermiogramm, Vasektomie (Sterilisation)
  • Kinderurologie: Hodenhochstand, Phimose, Bettnässen

Und ja: Frauen gehen auch zum Urologen – bei Blasenentzündungen, Inkontinenz, Nierensteinen oder Blasentumoren.

Wann sollten Sie zum Urologen?

Diese Symptome erfordern eine urologische Abklärung:

  • Blut im Urin: Immer abklären lassen – auch wenn es nur einmal auftritt. Kann harmlos sein, aber auch auf einen Tumor hinweisen
  • Häufiger Harndrang: Besonders nachts (Nykturie), kann auf eine Prostatavergrösserung hinweisen
  • Schwacher Harnstrahl: Typisches Zeichen für eine gutartige Prostatavergrösserung
  • Schmerzen beim Wasserlassen: Harnwegsinfekt, Prostataentzündung oder Geschlechtskrankheit
  • Erektionsstörungen: Können ein erstes Zeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein
  • Hodenschmerzen oder -schwellung: Sofort abklären – Hodenkrebs betrifft vor allem junge Männer (20–40 Jahre)
  • Flanken-/Rückenschmerzen mit Koliken: Verdacht auf Nierensteine
  • Inkontinenz: Ungewollter Urinverlust, bei Männern und Frauen

Prostata-Vorsorge: Ab wann und wie?

Die Prostata-Vorsorge ist das grosse Thema der Männergesundheit. Prostatakrebs ist in der Schweiz die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Die gute Nachricht: Früh entdeckt, ist er gut behandelbar.

Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Urologie:

  • Ab 50 Jahren: Jährliche Vorsorgeuntersuchung empfohlen
  • Ab 45 Jahren: Wenn Prostatakrebs in der Familie vorkommt (Vater, Bruder)
  • Ab 40 Jahren: Bei Hochrisiko-Gruppen (familiäre Häufung, afrikanische Abstammung)

Die Vorsorge umfasst:

  • PSA-Test (Bluttest): Misst das prostataspezifische Antigen. Ein erhöhter Wert kann (muss aber nicht) auf Krebs hinweisen
  • Digitale rektale Untersuchung (DRU): Abtasten der Prostata. Unangenehm, aber wichtig – dauert nur wenige Sekunden
  • Bei Auffälligkeiten: MRI der Prostata und ggf. Prostatabiopsie

Wichtig zu wissen: Der PSA-Test ist umstritten. Er kann zu falsch-positiven Ergebnissen führen und unnötige Biopsien auslösen. Andererseits hat er schon unzählige Leben gerettet. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Vor- und Nachteile – und entscheiden Sie gemeinsam.

Kosten beim Urologen in der Schweiz

Wann zum Urologen in der Schweiz? Prostata-Vorsorge, Kosten und Behandlungen - illustration
  • Erstkonsultation (inkl. Urintest): 200–350 CHF
  • PSA-Test: 30–50 CHF (Laborkosten)
  • Ultraschall der Nieren/Blase: 100–200 CHF
  • Ultraschall der Prostata (transrektal): 150–300 CHF
  • Urodynamik (Blasenfunktionstest): 300–600 CHF
  • Zystoskopie (Blasenspiegelung): 500–1'000 CHF
  • Prostata-MRI: 800–1'500 CHF
  • Prostatabiopsie: 1'500–3'000 CHF
  • Vasektomie: 800–1'500 CHF (Privatleistung, nicht von der Kasse gedeckt)
  • Nierensteinzertrümmerung (ESWL): 3'000–5'000 CHF

Was zahlt die Grundversicherung?

Alle medizinisch notwendigen urologischen Abklärungen und Behandlungen sind durch die Grundversicherung gedeckt. Das schliesst ein:

  • PSA-Test bei ärztlicher Verordnung
  • Ultraschall, MRI, Biopsien
  • Operationen (Prostata, Blase, Nieren)
  • Medikamentöse Therapien

Nicht gedeckt: Reine Vorsorgeuntersuchungen ohne Symptome können von der Kasse abgelehnt werden. Die Vasektomie ist eine Privatleistung. Erektile-Dysfunktion-Medikamente (Viagra, Cialis) werden von der Grundversicherung nicht bezahlt.

Urologie für Frauen

Urologie ist keine reine Männersache. Typische urologische Probleme bei Frauen:

  • Wiederkehrende Blasenentzündungen: Mehr als 3 pro Jahr? Dann lohnt sich eine urologische Abklärung
  • Belastungsinkontinenz: Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen – häufig nach Geburten
  • Überaktive Blase: Ständiger Harndrang, auch nachts
  • Nierensteine: Betreffen Männer und Frauen gleichermassen

Urologische Zentren in der Schweiz

  • Universitätsspital Zürich: Grösste urologische Klinik der Schweiz, Roboterchirurgie (Da Vinci)
  • Inselspital Bern: Führend bei Prostatakrebsbehandlung und roboterassistierter Chirurgie
  • Universitätsspital Basel: Spezialisiert auf Blasenkrebs und rekonstruktive Urologie
  • Kantonsspital St. Gallen: Breites urologisches Angebot
  • LUKS Luzern: Modernes Urologiezentrum mit Da-Vinci-Roboter

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter sollte ich zur Prostata-Vorsorge?

Die allgemeine Empfehlung lautet ab 50 Jahren. Bei familiärer Belastung ab 45, bei hohem Risiko ab 40. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Urologen über Ihr persönliches Risikoprofil.

Ist die Prostata-Untersuchung schmerzhaft?

Die digitale rektale Untersuchung ist unangenehm, aber nicht schmerzhaft und dauert nur wenige Sekunden. Der PSA-Test ist ein einfacher Bluttest. Eine MRI-Untersuchung ist schmerzfrei. Nur die Biopsie kann kurzzeitig schmerzen – sie wird aber unter lokaler Betäubung durchgeführt.

Können auch Frauen zum Urologen?

Ja. Für Blasenprobleme, Inkontinenz, Nierensteine und Harnwegsinfektionen ist der Urologe auch für Frauen der richtige Ansprechpartner. Alternativ gibt es in der Schweiz auch Urogynäkologen, die auf weibliche Beckenboden-Probleme spezialisiert sind.

Was kostet eine Vasektomie in der Schweiz?

Eine Vasektomie kostet 800–1'500 CHF und ist eine Privatleistung – die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht. Der Eingriff wird ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt und dauert etwa 30 Minuten.

Brauche ich eine Überweisung zum Urologen?

Nur im Hausarztmodell. Im Standard-Versicherungsmodell können Sie direkt zum Urologen gehen. Bei vielen Symptomen (Blut im Urin, Hodenschmerzen) ist der Weg über den Hausarzt aber empfehlenswert, weil dieser bereits erste Abklärungen vornehmen kann.

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