Die richtige Franchise wählen: 300 oder 2500 Franken?
Die Franchise-Frage: Eine Wette auf Ihre Gesundheit
Jedes Jahr im Herbst stehen Millionen Schweizerinnen und Schweizer vor derselben Frage: Welche Franchise soll ich wählen? 300 Franken für Sicherheit – oder 2'500 Franken für tiefere Prämien? Es klingt wie eine einfache Rechnung, ist aber überraschend komplex.
Denn im Grunde ist die Franchisewahl eine Wette: Bleiben Sie gesund, gewinnt die hohe Franchise. Werden Sie krank, gewinnt die tiefe. Nur – wer weiss schon, was kommt?
Was ist die Franchise genau?
Die Franchise ist der jährliche Betrag, den Sie an Gesundheitskosten selbst tragen, bevor die Krankenkasse einspringt. Nach Erreichen der Franchise zahlen Sie noch den Selbstbehalt (10% bis max. 700 Franken/Jahr).
Die verfügbaren Stufen für Erwachsene:
- 300 Franken (Mindestfranchise)
- 500 Franken
- 1'000 Franken
- 1'500 Franken
- 2'000 Franken
- 2'500 Franken (Höchstfranchise)
Für Kinder (bis 18): 0 bis 600 Franken, je nach Kasse.
Die Rechnung: Wann lohnt sich welche Franchise?
Hier ein konkretes Beispiel für den Kanton Zürich (Zahlen vereinfacht):
Szenario: Person, 35 Jahre, Standardmodell
- Prämie bei 300er Franchise: 450 Fr./Monat = 5'400 Fr./Jahr
- Prämie bei 2'500er Franchise: 320 Fr./Monat = 3'840 Fr./Jahr
- Prämienersparnis: 1'560 Fr./Jahr
Fall A: Sie gehen kaum zum Arzt (200 Fr. Kosten)
- Mit 300er Franchise: 5'400 + 200 = 5'600 Fr. total
- Mit 2'500er Franchise: 3'840 + 200 = 4'040 Fr. total
- Vorteil 2'500er Franchise: 1'560 Fr.
Fall B: Moderate Kosten (3'000 Fr.)
- Mit 300er Franchise: 5'400 + 300 + 270 (SB) = 5'970 Fr.
- Mit 2'500er Franchise: 3'840 + 2'500 + 50 (SB) = 6'390 Fr.
- Vorteil 300er Franchise: 420 Fr.
Fall C: Hohe Kosten (10'000 Fr.)
- Mit 300er Franchise: 5'400 + 300 + 700 (SB max.) = 6'400 Fr.
- Mit 2'500er Franchise: 3'840 + 2'500 + 700 (SB max.) = 7'040 Fr.
- Vorteil 300er Franchise: 640 Fr.
Die Faustregel: Wenn Ihre jährlichen Gesundheitskosten unter 1'500 Franken bleiben, lohnt sich die hohe Franchise. Darüber wird die tiefe Franchise günstiger.
Für wen die hohe Franchise sinnvoll ist
Die 2'500er Franchise passt zu Ihnen, wenn:
- Sie jung und gesund sind
- Sie keine regelmässigen Medikamente brauchen
- Sie selten zum Arzt gehen (1-2 Mal pro Jahr)
- Sie die 2'500 Franken im Notfall aufbringen können
- Sie kein Problem haben, bei einer plötzlichen Erkrankung die Franchise zu zahlen
Der letzte Punkt ist entscheidend: Die hohe Franchise spart nur dann Geld, wenn Sie im Krankheitsfall die Kosten auch stemmen können. Sonst stehen Sie vor einem finanziellen Problem genau dann, wenn Sie ohnehin belastet sind.
Für wen die tiefe Franchise sinnvoll ist
Die 300er Franchise passt zu Ihnen, wenn:
- Sie chronisch krank sind oder regelmässig Medikamente brauchen
- Sie eine Familie mit kleinen Kindern haben (Kinder sind oft krank)
- Sie älter sind und regelmässige Kontrollen brauchen
- Sie Planungssicherheit bevorzugen
- Ihnen das finanzielle Risiko einer plötzlichen 2'500-Franken-Rechnung zu gross ist
Der psychologische Faktor
Über den redet niemand, aber er ist real: Mit einer hohen Franchise gehen manche Menschen weniger zum Arzt – auch wenn sie sollten. «Ach, das wird schon, ich zahle ja sonst die Franchise an.» Dieses Verhalten kann dazu führen, dass Krankheiten zu spät erkannt werden.
Wenn Sie dazu neigen, Arztbesuche aufzuschieben, ist die tiefe Franchise möglicherweise die klügere Wahl – nicht finanziell, sondern gesundheitlich.
Franchise und Versicherungsmodell kombinieren
Die grösste Sparwirkung erzielen Sie durch eine Kombination: hohe Franchise + alternatives Versicherungsmodell (z.B. Telmed oder Hausarzt). In Bern können Sie damit bis zu 40% gegenüber dem teuersten Setup sparen.
Aber Achtung: Mehr Sparmassnahmen bedeuten auch mehr Einschränkungen. Prüfen Sie, ob Sie mit den Bedingungen leben können.
Die Franchise für Familien
Bei Familien multipliziert sich die Entscheidung. Für jedes Familienmitglied wählen Sie separat. Faustregel:
- Kinder: Tiefe Franchise (0 oder 100 Fr.), weil Kinder oft zum Arzt müssen
- Gesunde Erwachsene: Eher hohe Franchise
- Erwachsene mit Vorerkrankung: Tiefe Franchise
Die maximale Selbstbeteiligung pro Familie (Franchisen + Selbstbehalte) ist begrenzt. Rechnen Sie das für Ihre Konstellation konkret durch.
Wann können Sie die Franchise ändern?
Die Franchise können Sie nur per Jahresbeginn ändern – und nur in Kombination mit der Kündigungsfrist (30. November). Mitten im Jahr ist kein Wechsel möglich.
Einzige Ausnahme: Die Erhöhung der Franchise per 1. Januar können Sie auch bei Ihrer bestehenden Kasse beantragen, ohne zu wechseln. Die Senkung der Franchise ist ebenfalls möglich, kann aber je nach Kasse eine Prämienerhöhung nach sich ziehen.
Häufig gestellte Fragen
Lohnt sich die 2'500er Franchise wirklich?
Rein mathematisch: ja, wenn Ihre Gesundheitskosten unter ca. 1'500 Franken pro Jahr liegen. Aber rechnen Sie das Risiko ein: Ein Unfall oder eine plötzliche Erkrankung kann die Rechnung schnell kippen. Die Franchise ist eine Wette – und Wetten können verloren gehen.
Was passiert, wenn ich meine Franchise nicht zahlen kann?
Die Praxis schickt Ihnen eine Rechnung, und Sie müssen zahlen – Franchise hin oder her. Können Sie nicht zahlen, droht Betreibung. In manchen Kantonen landen Sie dann auf einer «schwarzen Liste» und erhalten nur noch Notfallbehandlung. Das klingt hart und ist es auch.
Zahle ich die Franchise auch bei Vorsorgeuntersuchungen?
Grundsätzlich ja – Vorsorgeuntersuchungen unterliegen der Franchise und dem Selbstbehalt. Es gibt Ausnahmen: Gewisse Screenings (z.B. Mammografie ab 50) und Impfungen sind franchisebefreit. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach.
Kann ich die Franchise mitten im Jahr wechseln?
Nein. Die Franchise gilt immer für ein ganzes Kalenderjahr. Sie können sie nur per 1. Januar ändern – mit der entsprechenden Kündigungsfrist (30. November des Vorjahres).
Wie berechne ich meine optimale Franchise?
Schauen Sie sich Ihre Gesundheitskosten der letzten 2-3 Jahre an. Wenn Sie regelmässig unter 1'500 Franken lagen und keine grössere Behandlung absehbar ist, kann die hohe Franchise sinnvoll sein. Nutzen Sie den BAG-Prämienrechner auf priminfo.admin.ch für den genauen Vergleich.