Impfplan Schweiz: Empfehlungen des BAG

Warum ein Blick in den Impfausweis lohnt

Impfplan Schweiz: Empfehlungen des BAG

Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Impfausweis angeschaut? Wenn Sie wie die meisten Schweizerinnen und Schweizer sind, liegt er irgendwo in einer Schublade – unangetastet seit der Schulzeit. Dabei gibt es gute Gründe, ihn hervorzuholen: Auffrischimpfungen werden gerne vergessen, und manche Impfempfehlungen haben sich in den letzten Jahren geändert.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) aktualisieren den Schweizerischen Impfplan regelmässig. Hier die wichtigsten Empfehlungen.

Basisimpfungen: Was alle haben sollten

Die Basisimpfungen werden für die gesamte Bevölkerung empfohlen:

Kinder (0-7 Jahre)

  • Diphtherie, Tetanus, Pertussis (Keuchhusten): Ab 2 Monaten, 3 Dosen + Auffrischung mit 4-7 Jahren
  • Poliomyelitis (Kinderlähmung): Ab 2 Monaten, kombiniert mit DTPa
  • Haemophilus influenzae Typ b: Ab 2 Monaten
  • Masern, Mumps, Röteln (MMR): 2 Dosen (9 und 12 Monate)
  • Hepatitis B: Ab Geburt oder als Nachholimpfung
  • Varizellen (Windpocken): 2 Dosen, ab 12 Monaten (wenn keine Erkrankung durchgemacht)

Jugendliche (11-19 Jahre)

  • DTPa-Auffrischung: Mit 11-15 Jahren
  • HPV (Humanes Papillomavirus): 2 Dosen für Mädchen und Jungen (11-14 Jahre, Nachholimpfung bis 26)
  • Meningokokken: Empfohlen je nach Risikosituation

Erwachsene

  • Tetanus/Diphtherie (dT): Auffrischung alle 20 Jahre (bis 65), danach alle 10 Jahre
  • Pertussis: Eine Auffrischung im Erwachsenenalter empfohlen, besonders für werdende Eltern
  • MMR: Nachholimpfung wenn unvollständig (alle nach 1963 Geborenen: 2 Dosen)

Empfohlene ergänzende Impfungen

Diese Impfungen werden für bestimmte Gruppen oder Situationen empfohlen:

Grippeimpfung (Influenza)

Jährlich empfohlen für:

  • Personen ab 65 Jahren
  • Schwangere
  • Chronisch Kranke (Herz, Lunge, Diabetes, Immunsuppression)
  • Gesundheitspersonal
  • Personen in Gemeinschaftseinrichtungen

Die Grundversicherung übernimmt die Kosten für Risikogruppen.

FSME (Zeckenenzephalitis)

Empfohlen für Personen, die sich in Risikogebieten aufhalten – und das ist mittlerweile fast die ganze Schweiz (ausser Kantone Genf und Tessin). 3 Dosen, Auffrischung alle 10 Jahre.

Hepatitis A

Empfohlen bei Reisen in Risikogebiete, für bestimmte Berufsgruppen und Personen mit chronischen Lebererkrankungen.

Wo impfen lassen?

Impfplan Schweiz: Empfehlungen des BAG - illustration

Impfungen können Sie bei verschiedenen Stellen durchführen lassen:

  • Beim Hausarzt – der häufigste Weg
  • Beim Kinderarzt (für Kinder)
  • In Apotheken (seit einigen Jahren möglich für Grippe, Covid, FSME und weitere)
  • In kantonalen Impfzentren (für Schulimpfungen, Kampagnen)

Gerade die Möglichkeit, sich in Apotheken impfen zu lassen, hat die Zugänglichkeit deutlich verbessert. Kein Termin nötig, einfach vorbeigehen.

Kosten und Kostenübernahme

Impfungen gemäss dem Schweizer Impfplan sind in der Grundversicherung gedeckt – sie unterliegen aber grundsätzlich Franchise und Selbstbehalt.

Ausnahmen (franchisebefreit):

  • HPV-Impfung im Rahmen kantonaler Programme
  • Impfungen im Rahmen kantonaler Schulimpfprogramme

Reiseimpfungen (Gelbfieber, Typhus, etc.) werden von der OKP nicht übernommen.

Impfausweis verloren? Kein Problem

Sie finden Ihren Impfausweis nicht mehr? Folgende Optionen haben Sie:

  • Beim Hausarzt nachfragen: Viele Praxen haben die Impfungen in der Patientenakte dokumentiert
  • Bluttest (Titerbestimmung): Zeigt, gegen welche Krankheiten Sie noch geschützt sind
  • Elektronischer Impfausweis: myVaccines.ch – Sie können Ihre Impfdaten digital erfassen und von Fachpersonen validieren lassen

Impfskepsis in der Schweiz

Auch in der Schweiz gibt es Impfskeptiker. Das BAG setzt auf Information statt Zwang: Es gibt keine Impfpflicht in der Schweiz (mit wenigen Ausnahmen im Militärdienst).

Die Fakten sind klar: Impfungen gehören zu den wirksamsten Präventionsmassnahmen der Medizin. Die empfohlenen Impfungen sind in der Schweiz gründlich geprüft und zugelassen durch Swissmedic.

Wenn Sie Fragen oder Bedenken haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Ein offenes Gespräch ist besser als Dr. Google.

Impfungen und Reisen

Planen Sie eine Reise in tropische Gebiete? Dann brauchen Sie möglicherweise zusätzliche Impfungen:

  • Gelbfieber: Pflicht in vielen afrikanischen und südamerikanischen Ländern
  • Japanische Enzephalitis: Bei Langzeitaufenthalten in Asien
  • Tollwut: Bei Reisen in abgelegene Gebiete
  • Typhus: Bei Reisen in Gebiete mit schlechten Hygienebedingungen

Lassen Sie sich in einer reisemedizinischen Beratung (Tropenzentrum, Hausarzt) beraten – idealerweise 6-8 Wochen vor der Reise.

Häufig gestellte Fragen

Wie oft muss ich die Tetanus-Impfung auffrischen?

Gemäss aktuellem Impfplan: alle 20 Jahre bis zum Alter von 65, danach alle 10 Jahre. Bei einer Verletzung mit Tetanusrisiko kann eine frühere Auffrischung nötig sein.

Zahlt die Krankenkasse die Grippeimpfung?

Für Risikogruppen (über 65, chronisch Kranke, Schwangere) ja – über die Grundversicherung, aber mit Franchise und Selbstbehalt. Für gesunde Erwachsene unter 65 ist sie nicht gedeckt. Kosten: ca. 25-40 Franken in der Apotheke.

Ist die HPV-Impfung auch für Jungen empfohlen?

Ja, seit 2015 empfiehlt das BAG die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen gleichermassen. Idealerweise vor dem ersten Sexualkontakt (11-14 Jahre). Nachholimpfung bis 26 Jahre.

Kann ich mich in der Apotheke impfen lassen?

Ja, in den meisten Kantonen können Apothekerinnen und Apotheker bestimmte Impfungen durchführen – darunter Grippe, FSME, Covid, Hepatitis A/B. Kein Arzttermin nötig.

Wo finde ich den aktuellen Impfplan?

Auf der Website des BAG (bag.admin.ch) unter «Impfungen». Dort finden Sie den vollständigen Impfplan, Merkblätter zu einzelnen Impfungen und Informationen zu aktuellen Empfehlungen.

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