Wartezeit beim Facharzt in der Schweiz: Tipps

Wochen warten auf einen Termin – der Normalfall?

Wartezeit beim Facharzt in der Schweiz: Tipps

Drei Monate auf einen Termin beim Dermatologen. Sechs Wochen beim Augenarzt. Wer in der Schweiz einen Facharzttermin braucht, muss häufig Geduld mitbringen. Und das, obwohl die Schweiz eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt hat.

Warum ist das so? Und – noch viel wichtiger – was können Sie tun, um schneller dranzukommen?

Durchschnittliche Wartezeiten nach Fachgebiet

Die Wartezeiten variieren stark je nach Fachgebiet, Region und Dringlichkeit. Als grobe Orientierung:

In städtischen Gebieten wie Zürich oder Genf sind die Wartezeiten tendenziell länger, weil die Nachfrage hoch ist – trotz höherer Arztdichte.

Warum dauert es so lang?

Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen

In der Psychiatrie fehlen gemäss Branchenverbänden Hunderte Fachpersonen. Ähnlich sieht es bei Dermatologen aus. Die Ausbildung dauert Jahre, und nicht genügend Nachwuchs rückt nach.

Kein zentrales Terminmanagement

Anders als in manchen Ländern gibt es in der Schweiz kein zentrales System für Facharzttermine. Jede Praxis verwaltet ihre Termine selbst. Das macht es schwierig, freie Kapazitäten zu finden.

Administrativer Aufwand

Schweizer Ärzte verbringen gemäss Studien bis zu 50% ihrer Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben. Zeit, die für Patienten fehlt.

7 Tipps für kürzere Wartezeiten

Wartezeit beim Facharzt in der Schweiz: Tipps - illustration

1. Flexibel bei der Tageszeit sein

Frühmorgens oder spät am Nachmittag haben viele Praxen kurzfristiger verfügbare Termine. Wenn Sie nicht auf den «Wunschslot» am Mittag bestehen, kommen Sie oft schneller dran.

2. Ausserhalb der Stadt suchen

In Winterthur statt Zürich, in Aarau statt Bern – Praxen in umliegenden Städten haben oft kürzere Wartezeiten. Die Anfahrt lohnt sich.

3. Auf Wartelisten setzen lassen

Viele Praxen führen Wartelisten für kurzfristige Absagen. Wenn ein anderer Patient absagt, rücken Sie nach. Das erfordert Flexibilität, bringt aber oft den schnellsten Termin.

4. Überweisung mit Dringlichkeitsvermerk

Bitten Sie Ihren Hausarzt, bei der Überweisung die Dringlichkeit zu vermerken. Facharztpraxen sortieren ihre Wartelisten nach Dringlichkeit – ein klarer Vermerk kann Wochen sparen.

5. Spitalambulatorien nutzen

Kantonsspitäler und Universitätsspitäler haben Fachambulanzen, die oft schneller Termine vergeben als niedergelassene Fachärzte. Die Behandlung ist medizinisch gleichwertig – manchmal sehen Sie sogar den Spezialistinnen des Spitals, der auch die niedergelassenen Ärzte berät.

6. Online-Terminportale checken

Plattformen wie OneDoc zeigen verfügbare Termine bei verschiedenen Fachärzten. Manchmal finden Sie dort einen Termin, den Sie telefonisch nicht bekommen hätten.

7. Telemedizin als Erstbeurteilung

Für manche Anliegen reicht eine telemedizinische Erstbeurteilung. Ein Dermatologe kann ein Foto Ihres Hautproblems beurteilen, bevor Sie einen persönlichen Termin brauchen. Das spart Zeit – und manchmal ist der Fall danach schon erledigt.

Notfall vs. normaler Termin

Bei einem echten Notfall gelten keine Wartezeiten. Die Notaufnahme im Spital nimmt Sie sofort auf (Triage-System nach Dringlichkeit). Auch Permanencen in Bern, Zürich oder Basel behandeln akute Fälle ohne Termin.

Aber: Die Notaufnahme für Nicht-Notfälle zu nutzen, ist teurer (Notfallzuschlag) und belastet das System. Wenn Ihr Anliegen warten kann, nutzen Sie die regulären Wege.

Werden die Wartezeiten noch länger?

Ehrlich gesagt: wahrscheinlich ja, zumindest mittelfristig. Die Babyboomer-Generation der Ärzte geht in Pension, und der Nachwuchs reicht nicht. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) arbeitet an verschiedenen Massnahmen – mehr Studienplätze, bessere Arbeitsbedingungen, Entlastung von Administration. Aber bis diese greifen, wird es dauern.

Was Sie tun können: Vorsorge ernst nehmen, regelmässige Check-ups machen und nicht warten, bis ein Problem akut wird.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich ohne Überweisung zum Facharzt?

Mit freier Arztwahl (Standardmodell) ja. Im Hausarzt- oder HMO-Modell brauchen Sie in der Regel eine Überweisung. Ausnahme: Notfälle und Gynäkologie (jährliche Routinekontrolle).

Was mache ich bei einer dringenden Hautveränderung, wenn der Dermatologe erst in 3 Monaten Zeit hat?

Lassen Sie Ihren Hausarzt die Stelle beurteilen. Bei Verdacht auf Hautkrebs kann er eine dringende Überweisung schreiben, die den Facharzt zur raschen Aufnahme verpflichtet. Alternativ: Spitalambulatorium oder dermatologische Notfallsprechstunde.

Sind die Wartezeiten in der Romandie anders als in der Deutschschweiz?

Die Wartezeiten sind vergleichbar, variieren aber lokal. In Genf und Lausanne sind Fachärzte ähnlich ausgelastet wie in Zürich. In ländlichen Regionen beider Sprachgebiete sind die Wartezeiten tendenziell kürzer – aber es gibt weniger Spezialisten vor Ort.

Hilft eine Zusatzversicherung bei den Wartezeiten?

Direkt nicht. Eine Zusatzversicherung gibt Ihnen kein «Fast-Track» beim Facharzt. Sie können aber in gewissen Spitälern die Privatabteilung nutzen, wo die Wartezeiten kürzer sein können.

Lesen Sie auch

← Zurück zum Ratgeber

Nützliche Online-Rechner